"Die Musik ist unbeschreiblich" Tristan und Isolde

GMD Killian Farrell und Regisseurin Verena Stoiber im Gespräch zu „Tristan und Isolde“
Freuen Sie sich auf mitreißende Musik und eine spannende Inszenierung, bei der Sie ab dem 12. April abtauchen in Tristan und Isoldes Traumwelten.
Killian, „Tristan und Isolde“ wird oft als ein Werk bezeichnet, das in Ekstase versetzt. Selbst Wagner hatte Respekt vor den Auswirkungen, die sein Musikdrama auf die Menschen haben könne. Was zeichnet für euch diese Musik aus?
GMD Killian Farrell: Das Stück hat einen Sog von vorne bis zum Ende, es ist wie eine Droge! Man hört alles darin: Ekstase, Leidenschaft, Leiden. Die Musik ist unbeschreiblich. Viel Handlung gibt es jedoch nicht. Wenn man sich als Darsteller auf das Äußere konzentriert, wird man im „Tristan“ wenig Erfolg haben. Man muss die innere Welt der Protagonisten erkennen, die die Musik repräsentiert.
Der reduzierten Dramenhandlung liegt das umfangreiche Mittelalter-Epos „Tristan“ von Gottfried von Straßburg zu Grunde. In welcher Beziehung steht diese Vorlage zur Musik Wagners?
Verena Stoiber: Die Vorlage ist viel ausführlicher und die Handlung griffiger. Wagner rafft das Werk von Gottfried stark zusammen, ändert stellenweise die Zusammenhänge und hebt es auf eine Metaebene ...
GMD Killian Farrell: ... die Musik! Sie ist quasi eine philosophische Exposition. Das, was dargestellt wird, sagt nicht nur etwas über das Ich und Du aus, sondern mehr über das Wir, wie ein Wesen in zwei geteilt werden kann.
Verena, wie visualisierst du das in deiner Inszenierung?
Verena Stoiber: Wir steigen hinab ins Unbewusste, in den Traum – ein Zustand, in dem vieles möglich ist, was man sich im wahren Leben versagt. Jonas Dahl, der Video-Designer, und ich haben uns in diesem Zusammenhang mit Filmen wie „Inception“ oder „Interstellar“ von Christopher Nolan beschäftigt, die sich mit Verschiebungen von Raum und Zeit, verschiedenen Bewusstseinsebenen und der Frage „Wo kommen wir her, wo gehen wir hin?“ auseinandersetzen. Der bewusste Gang in den Traum ist eine Realitätsflucht, um frei zu sein von belastenden Gedanken, die einen aber trotzdem wieder einholen, wie es im Traum auch sein kann.
Diese Mischung aus sogartiger Musik und großen Fragen des Lebens kann einen regelrecht um den Verstand bringen.
Verena Stoiber: Deswegen muss man in den Proben auch manchmal mit Humor und Leichtigkeit entgegensteuern.
GMD Killian Farrell: Das macht unsere Probenatmosphäre aus. Und wir haben mit Marco Jentzsch und Lena Kutzner zwei Darsteller, die nicht nur gute Sänger sind, sondern eben diese Heiterkeit auch mitbringen.
VS: Auch Wagner ist nicht immer nur ernsthaft. Es gibt Momente, da zeigt sich Ironie: Die Art, wie Tristan und Isolde im ersten Akt miteinander umgehen, ist stellenweise sehr provokant und schnippisch. Ich habe das Gefühl, dass sie ziemlich vertraut miteinander sind. Sie scheinen sich aus der Zeit, als sich Tristan als „Tantris“ von Isolde gesundpflegen ließ, schon näher gekommen zu sein. Aber mehr möchte ich an dieser Stelle noch nicht verraten.
Das Gespräch führte Julia Terwald,
Musiktheaterdramaturgin
Tristan und Isolde
Handlung in drei Aufzügen von Richard Wagner
In deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung: GMD Killian Farrell • Regie: Verena Stoiber • Bühne: Susanne Gschwender• Kostüme: Clara Hertel • Video: Jonas Dahl • Chor: Roman David Rothenaicher • Dramaturgie: Julia Terwald • mit: Lena Kutzner, Tamta Tarielashvili; Hans Gebhardt, Marco Jentzsch, Aleksey Kursanov, Johannes Mooser, Shin Taniguchi, Selcuk Hakan Tiraşoğlu• Es spielt die Meininger Hofkapelle
Premiere: SA, 12.04.2025, 17.00 Uhr – Großes Haus
weitereTermine: 21.04., 26.04., 17.05., 09.06., 15.06., 22.06.2025
Einführungen je 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn
Matinee: SO, 30.03.2025, 11.15 Uhr – Foyer Großes Haus, Eintritt frei