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Verführer, Kavalier und Mörder. Am 30. Mai kommt „Don Giovanni“ in der Regie von Hinrich Horstkotte zur Premiere

Figurine des Commendatore von Hinrich Horstkotte
© Christina Iberl
Figurine des Commendatore von Hinrich Horstkotte

Nach 19 Jahren Pause wird am Staatstheater Meiningen wieder Mozarts „Don Giovanni“ neuinszeniert. Der Dichter E. T. A. Hoffmann nannte das Werk einst „Die Oper aller Opern“, die Mozart 1787 komponierte und die sein kongenialer Textdichter Lorenzo Da Ponte nach dem berühmten Don-Juan-Stoff auswählte. Die maßlose erotische Gier und der alle Ordnung sprengende Freiheitsdrang des Don Juan oder Don Giovanni gehört – ähnlich wie die Figur des Faust – zur Volkssage sowie zur Weltliteratur und geht ursprünglich auf mittelalterliche Legenden spanischer Klöster zurück. Für die Bühne hatte zunächst 1630 der Spanier Tirso de Molina unter dem Titel „El burlador de Sevilla“ den Stoff gestaltet, dergleichen Molière und Goldoni. Mozart und Da Ponte machen aus dem Titelhelden einen unersättlichen Verführer, Gotteslästerer, aristokratischen Kavalier und Mörder in einer Person.

Die Oper spielt ausschließlich in den letzten Lebenstagen Don Giovannis und beginnt mit einer tödlichen Konfrontation. Als der narzisstische Freigeist maskiert versucht, die junge Adlige Donna Anna zu verführen, eilt ihr Vater zu Hilfe, wird aber von Don Giovanni im Duell erstochen. Annas Verlobter Don Ottavio schwört dem unentdeckten Täter Rache. Wenig später läuft dem Verführer seine Exfrau Donna Elvira über den Weg, die ihn von nun an unablässig verfolgt. Und auch auf einer Bauernhochzeit gelingt es Don Giovanni nicht, die Braut Zerlina für sich zu gewinnen. Übermütig und lästernd ändert er sein Verhalten nicht. Auch Griffe in die Trickkiste wie ein Kleidungstausch mit seinem Diener Leporello misslingen. Sein qualvolles Ende kann Don Giovanni nicht abwenden.
Trotz der überwiegend tragischen Handlung gelingt es Mozart und Da Ponte, den Ernst der Situation mit heiteren Elementen zu einer Einheit zu verschmelzen. Neben den starken und leidenschaftlichen Frauen Donna Anna und Donna Elvira sind der Diener Leporello und das Bauernpaar Zerlina und Masetto Menschen von derber und zarter Komik, die voll in das Geschehen integriert werden. Wegen der bruchlosen Verbindung aus Dämonie und ausgelassenem Frohsinn halten viele das Werk für den unübertroffenen Höhepunkt von Mozarts Opernschaffen. Goethe sagte 1829 im Hinblick auf die „Don Giovanni“-Musik: nur Mozart hätte den „Faust“ komponieren können, weil nur er die Tiefe des Menschentums in hellsten und dunkelsten Farben zur Verfügung hatte, um solche Kontraste musikalisch auf einen Nenner zu bringen.
Während die Uraufführung im Oktober 1787 in Prag begeistert aufgenommen wurde, fielen die ersten Reaktionen in Mozarts Heimat Wien eher kühl aus. Kaiser Joseph II. meinte gar, die Musik sei kein Fleisch für die Zähne seiner Wiener, woraufhin Mozart schlagfertig erwiderte: „Geben Sie Ihnen nur Zeit, es zu kauen.“ Seit über 200 Jahren wird diese Oper mittlerweile überall gefeiert, Mozart und Da Ponte gelingt es, mit nur acht singenden und spielenden Personen eine ganze Welt zu entfalten und dem Publikum deutlich vor Augen und vor Ohren zu führen, was Musik und Theater leisten können.
Regie und Ausstattung der Neuproduktion liegen in den Händen von Hinrich Horstkotte, der in Meiningen bereits mit seinen Inszenierungen von Händels „Amadigi di Gaula“ und Bizets „Ivan IV“ überzeugte. Im Zentrum seiner „Don Giovanni“-Regie wird ein überdimensionales Buch stehen. Aufgrund der scheinbar endlosen Liste von Don Gio-
vannis Liebschaften braucht Leporello eine große Kladde, um alle erotischen Abenteuer seines Herrn zu dokumentieren. Das sogenannte Register von Don Giovannis Eroberungen symbolisiert die Faszination für einen Menschen, der zwar ohne Moral, aber auch ohne Begrenzung seinen Trieben und Instinkten folgt. Die Titelpartie wird das langjährige Ensemble-Mitglied Shin Taniguchi singen. Die musikalische Leitung übernimmt GMD Killian Farrell.

Matthias Heilmann,
Musiktheaterdramaturg


„Don Giovanni“
Dramma giocoso in zwei Akten von Wolfgang Amadeus Mozart, Libretto von Lorenzo Da Ponte
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Musikalische Leitung: GMD Killian Farrell
Regie, Bühne, Kostüme: Hinrich Horstkotte · Dramaturgie: Matthias Heilmann · Chor: Roman David Rothenaicher
mit: Lubov Karetnikova, Lena Kutzner, Emma McNairy, Monika Reinhard, Sara-Maria Saalmann; Mark Hightower, Aleksey Kursanov, Shin Taniguchi, Selcuk Hakan Tiraşoğlu, Tomasz Wija · Chor und Statisterie des Staatstheaters Meiningen
Es spielt die: Meininger Hofkapelle

Premiere: FR, 30.05., 19.30 Uhr – Großes Haus
weitere Termine: 01.06., 07.06., 05.07.2025
Matinee: SO, 25.05., 11.15 Uhr – Foyer Großes Haus, Eintritt frei
Wiederaufnahme in der Spielzeit 2025/26

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