Von Frank Behnke und Bettina Ostermeier
„Zwischen Dänemark und Prag liegt ein Land, das ich sehr mag. Doch warum reduziert man unsere Größe auf Würste und Klöße?“, fragt der Liedermacher Rainald Grebe in seiner musikalischen Satire auf Thüringen. Das Lachen über sich selbst ist Programm bei den „Thüringer Spezialitäten“, einem Liederabend, bei dem eine thüringische Fleischerei zum Dreh- und Angelpunkt für einen fleischbetonten musikalischen Abend wird. Doch hat die typische Fleischtheke noch eine Zukunft? Droht jetzt auch noch den Thüringer Spezialitäten das Aus? Ist die vegane Zeitenwende schon in Thüringen angekommen? Denn kein Schwein ruft mich an, weit und breit ist kein Kunde mehr in Sicht! Der Metzgermeister schlachtet derweil das letzte Ferkel und will noch einmal so richtig die „Sau“ rauslassen. Die Fleischfachverkäuferinnen und Fleischfachverkäufer werfen ihre Schürzen ab, feiern eine letzte große Party und für einen langen Augenblick wird die Ladentheke zum schönsten Ort der Welt.
„Thüringer Spezialitäten“ ist ein launiger musikalischer Abend für Thüringerinnen und Thüringer, für Fleischfresser und auch alle anderen, den wir zusammen mit der Musikerin Bettina Ostermeier für unser Ensemble entwickeln. Es geht dabei natürlich um die Wurst und noch viel mehr, wie sollte es in Thüringen auch anders sein!
Regie: Frank Behnke
Musikalische Leitung: Bettina Ostermeier
Bühne: Christian Rinke
Kostüme: Michael Lindner
Choreografie: Tatiana Diara
Dramaturgie: Katja Stoppa
mit: Evelyn Fuchs, Leo Goldberg, Florian Graf, Ulrike Knobloch, Paul Maximilian Schulze, Erik Studte, Christine Zart, Michael Jeske/Franz Josef Strohmeier
Bandleader/Keyboard u.a.: Bettina Ostermeier
Band/Gitarre: Josef Mücksch
Band/Bass: Andreas Buchmann
Band/Drums: Joachim Leyh
Ein Meisterwerk übrigens aus täuschend echt aussehenden Mett-, Rot-, Leber-, Tee und Knackwürsten, das sich über die ganze Bühne spannt (zum großartigen Bühnenbild von Christian Rinke, das in dieser Revue einen Extra-Applaus verdient hat). […] Allzu ernst darf man diesen Theaterabend auch gar nicht nehmen. Die gut zwei Stunden musikalische Revue im zentralen Durchgangsraum einer Metzgerei tragen ein unterhaltsamer Ton und große Spielfreude des Ensembles. […] Auf beachtliche 35 mehr oder weniger fleischeslustige Hits bringen es die Damen und Herren an diesem Abend. Einen ersten musikalischen Kracher landen zweifellos die drei Fleischfachverkäuferinnen Christine Zart, Evelyn Fuchs und Ulrike Knobloch in ihren Kittelschürzen mit einer unwiderstehlichen Version des Pop-Klassikers „Sittin’ on the Dock of the Bay“. […] Leo Goldberg [präsentiert] noch den „Jodlergruß“ des Suhler Komponisten jodelnd und schunkelnd im Dirndl. Also bitte: Ein Dirndl ist halt ein Dirndl! Auch wenn Leo Goldberg anschließend als Conchita Wurst zu „Rise like a Phoenix“ im goldfarbenen Kleid eine grandiose und vielleicht die beste Nummer des Abends abliefert. […] Wir sind ja nicht traurig, sondern am Ende der Show amüsiert. Bei aller Fleischeslust und dem großartigen vierköpfigen Ensemble von Bettina Ostermeier, die den Abend auch musikalisch arrangiert hat. Sagen wir so: Wir haben uns im Theater mal sattgegessen.
Freies Wort, Peter Lauterbach, 16.03.2025
Thüringer Spezialitäten“ in Meiningen feiern die Fleischeslust mit Spuren von Konsumkritik.
Das sind „Thüringer Spezialitäten“, wie sie auf großer Bühne mit Wurstvorhang opulent kredenzt werden. Ein szenischer Liederabend artet in eine Revue fleischlicher Gelüste aus, im direkten wie übertragenen Sinn. Schauspielchef Frank Behnke schickt acht Darsteller als Personal in eine familiäre Schlachterei, deren oszillierenden Zwischenraum Christian Rinke detailreich auskachelt und ausstattet.
Und hier reiht sich binnen zweimal einer guten Stunde ein mal mehr, mal etwas weniger bekanntes Lied ans nächste, zumeist auf Deutsch sowie in überraschend originellen Arrangements der musikalischen Leiterin, Bettina Ostermeier. Im ebenfalls ausgekachelten Orchestergraben […] führt sie derweil das Ensemble zu oftmals schönem, bisweilen auch schön schrägem zwei- oder mehrstimmigem Satzgesang verführte.
Saukomisch, wie die Wurstfachverkäuferinnen Evelyn Fuchs, Ulrike Knobloch und Christine Zart, nebst Paul Maximilian Schulze, im Otis-Redding-Song frustriert in der Schlachterei hocken wie am Dock einer Bucht.
Thüringer Allgemeine, Michael Helbing, 17.03.2025
[… das] Spektakel von Frank Behnke und der Arrangeurin und musikalischen Leiterin Bettina Ostermeier unterhaltsam. Unterhaltsam, mit einem leichten Schauder, der einem über den Rücken läuft, wenn man sich zwei Stunden lang in einem weiß gekachelten Schlachthaus herumtreibt. […]
Die Revue ist unterhaltsam, selbst wenn sich die Klischees auf Würste und Klöße konzentrieren und andere Spezialitäten des Bergvölkchens in der Mitte Deutschlands, wie etwa die auffällige Neigung heimischer Spezis zum rechten Extremen so gut wie nicht zum Klingen gebracht werden. […] Wie aber kriegen die Macher die Kurve zum Wahren, Guten und Schönen? Zum Land der Klassik, zum Land der kulturellen Vielfalt, zum Land der Weltoffenheit, wo der Kloß nicht nur mit der Bratwurst tanzt? […] Durch die Musik. Oder besser gesagt: Durch die Vielfalt der Musik und durch Witz und Lebendigkeit, mit der die Pop- und Rocksongs samt Folklore dem nicht nur altersmäßig diversen Publikum dargeboten werden.
Der Erfolg beruht nicht zuletzt auf der Kunst der Präsentation eingängiger Texte und Melodien (Choreografie: Tatiana Diara), und da ist das Spezialitäten-Team gut aufgestellt, mit den vier Musikern im gekachelten Orchestergraben und mit dem Ensemble auf der Bühne, mit Christine Zart, Evelyn Fuchs, Ulrike Knobloch, Leo Goldberg, Florian Graf, Paul Maximilian Schulze, Erik Studte und – als Gast – Franz-Joseph Strohmeier, der für den erkrankten Michael Jeske kurzfristig einsprang. […] Auf diesem musikalischen Niveau werden selbst Vegetariern vom Leben gebeutelte Wurstwesen sympathisch, so lange man sie nicht riechen oder gar vernaschen muss. Standing Ovations […].
Main-Post, Siggi Seuß, 17.03.2025